Pfadfindertum im Stamm Walhall – Gemeinschaft, Verantwortung und Abenteuer

Pfadfindertum bedeutet für uns weit mehr als Lagerfeuer und Fahrten.
Als Stamm Walhall e.V. verstehen wir Gemeinschaft als einen Ort, an dem Menschen Verantwortung übernehmen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen können.

Wir stehen in der Tradition der internationalen Pfadfinderbewegung, der bündischen Jugend und des Deutschen Pfadfinder*innenverbandes (DPV). Dabei verbinden wir klassische bündische Elemente wie Fahrt, Lager, Kluft und Singekultur mit moderner, demokratischer Jugendarbeit und einem klaren Bekenntnis zu Respekt, Offenheit und Verantwortung.

Woher wir kommen – die Anfänge der Pfadfinder:innenbewegung

Die internationale Pfadfinderbewegung entstand 1907 durch das erste Lager von Robert Baden-Powell auf Brownsea Island. Ziel war eine Erziehung junger Menschen zu Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn – nach dem Grundsatz:

„Learning by doing.“

Schon früh standen Lagerleben, Naturverbundenheit, Fahrt und das Lernen in kleinen Gruppen im Mittelpunkt der Bewegung.

Die bündische Jugend in Deutschland

In Deutschland entstanden ab 1909 erste Pfadfindergruppen. Viele dieser frühen Bünde waren zunächst noch stark von den gesellschaftlichen Vorstellungen ihrer Zeit geprägt.

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich daraus zunehmend die sogenannte „Bündische Jugend“. Sie verstand sich bewusst als selbstbestimmte Jugendbewegung und legte besonderen Wert auf:

  • Eigenverantwortung,
  • Gemeinschaft,
  • einfache Lebensweise,
  • Fahrt und Lager,
  • musische Kultur,
  • und unabhängige Jugendarbeit.

Viele Gruppen verstanden sich dabei ausdrücklich als Gegenentwurf zu autoritären gesellschaftlichen Strukturen.

Pfadfinder:innenarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gerieten freie Jugend- und Pfadfinderbünde massiv unter Druck. Die nationalsozialistische Ideologie verlangte die vollständige Gleichschaltung aller Jugendarbeit innerhalb der Hitlerjugend.

Unabhängige Gruppen, die auf Selbstbestimmung, internationale Verständigung und freie Persönlichkeitsentwicklung setzten, standen damit im direkten Widerspruch zum totalitären Anspruch des Regimes.

Viele Pfadfinderbünde wurden verboten, aufgelöst oder zur Eingliederung gezwungen. Einzelne Gruppen arbeiteten heimlich weiter oder gingen in den Widerstand; andere passten sich an oder ließen sich vereinnahmen.

Die Erfahrungen dieser Zeit prägen unser Verständnis von demokratischer, unabhängiger und verantwortungsvoller Jugendarbeit bis heute.

Unser Verband – Der Weg zum DPV

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden verschiedene neue Pfadfinderverbände. Einer davon war der Bund Deutscher Pfadfinder (BDP).

Ende der 1960er Jahre kam es dort zu starken inneren Konflikten. Teile des Verbandes orientierten sich zunehmend politisch und gesellschaftskritisch, während andere Gruppen stärker an traditionellen pfadfinderischen und bündischen Formen festhalten wollten.

Aus diesen Spannungen entstand 1970 der Deutscher Pfadfinder*innenverband (DPV).

Der DPV versteht sich bis heute als:

  • interkonfessionell,
  • parteipolitisch unabhängig,
  • föderativ organisiert,
  • und der traditionellen Pfadfindermethode verpflichtet.

Besonderen Wert legt der Verband auf:

  • Eigenverantwortung,
  • Lernen in der Gruppe,
  • Fahrt und Lager,
  • Natur- und Gemeinschaftserlebnisse,
  • sowie ehrenamtliche Jugendarbeit.

Heute steht der DPV insgesamt für eine Form des Pfadfindertums, die klassische bündische Elemente mit moderner, demokratischer Jugendarbeit verbindet. Seine Mitgliedsbünde arbeiten eigenständig, teilen jedoch gemeinsame Grundhaltungen wie:

  • Toleranz,
  • Verantwortung,
  • Gemeinschaft,
  • internationale Verständigung,
  • und den respektvollen Umgang miteinander.

Gerade vor dem Hintergrund der historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts wird die Unabhängigkeit freier Jugendverbände dabei bis heute als hoher Wert verstanden.

Pfadfinderbund Boreas

Als Stamm Walhall e.V. sind wir Mitglied im Pfadfinderbund Boreas, welcher seit 2010 dem DPV angehört.

Der Boreas verbindet klassische bündische Traditionen mit moderner Jugendverbandsarbeit. Gemeinschaft, Fahrt, Lager, Kluft und Singekultur prägen bis heute das Leben im Bund.

Gerade vor dem Hintergrund der historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts verstehen wir politische Unabhängigkeit, demokratische Haltung und gegenseitigen Respekt als zentrale Bestandteile unserer Arbeit.

Unsere Werte – unser Selbstverständnis

Die Grundlage unseres Zusammenlebens bilden die Pfadfinder:innengesetze. Sie sollen keine starren Regeln sein, sondern Orientierung für einen respektvollen, verantwortungsvollen und gemeinschaftlichen Umgang miteinander geben. Sie lauten:

  • Auf die Ehre eines Pfadfinders kann man bauen.
  • Ein Pfadfinder achtet alle Menschen.
  • Ein Pfadfinder ist Bruder aller Pfadfinder.
  • Ein Pfadfinder ist hilfsbereit.
  • Ein Pfadfinder setzt sich kritisch mit sich selbst und seiner Umwelt auseinander.
  • Ein Pfadfinder lernt die Natur kennen und erhält sie.
  • Ein Pfadfinder handelt stets gewissenhaft.
  • Ein Pfadfinder übernimmt Verantwortung.
  • Ein Pfadfinder ist stets frohen Mutes.

(Satzung Stamm Walhall e.V., 2011)

Verantwortung und Schutz – warum wir ein Schutzkonzept brauchen

Gemeinschaft bedeutet für uns nicht nur Zusammenhalt, sondern auch Verantwortung füreinander.

Als Jugendverband wissen wir, dass persönliche Grenzen überschritten werden können – sei es aus Unachtsamkeit, Gruppendruck, Ignoranz oder bewusster Absicht. Deshalb setzen wir uns aktiv gegen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt ein.

Unsere Verantwortung besteht darin:

  • Menschen zu schützen,
  • aufzuklären,
  • zu sensibilisieren,
  • und Betroffene zu stärken.

Unsere Pfadfindergesetze allein reichen hierfür nicht aus. Deshalb ergänzen wir unsere Arbeit durch konkrete Präventionsmaßnahmen, Schulungen und verbindliche Handlungsgrundsätze. Dabei gilt insbesondere:

„Im Zweifel für die Betroffenen.“

Unsere Präventionsgrundsätze

Dein Körper gehört dir

Du hast das Recht selbst zu bestimmen, wie, wann und von wem du angefasst werden möchtest.

Du hast das Recht, Nein zu sagen

Niemand darf dich zu etwas drängen oder überreden, das du nicht möchtest.

Du hast das Recht, nicht mitzumachen

Wenn dir Situationen Angst machen oder du dich unwohl fühlst, musst du daran nicht teilnehmen.

Deine Gefühle sind wichtig

Du darfst deinen Gefühlen vertrauen und sie ernst nehmen.

Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen

Nicht jede Berührung fühlt sich gut an. Niemand darf dich zu körperlicher Nähe zwingen.

Es gibt gute und schlechte Geheimnisse

Belastende oder angstmachende Geheimnisse dürfen weitererzählt werden.

Du entscheidest über deine Grenzen

Deine persönlichen Grenzen sind wichtig und müssen respektiert werden.

Du bist nicht schuld

Wenn Menschen Grenzen überschreiten, tragen immer sie die Verantwortung.

Sprich darüber und hole Hilfe

Wenn dich etwas belastet, rede mit Menschen deines Vertrauens und hole dir Unterstützung.

Unser Verständnis von Pfadfindertum

Für uns bedeutet Pfadfindertum:

  • Verantwortung füreinander zu übernehmen,
  • Gemeinschaft aktiv zu gestalten,
  • selbstständig zu handeln,
  • die Natur bewusst zu erleben,
  • und voneinander zu lernen.

Fahrt, Lager und Abenteuer gehören ebenso dazu wie Respekt, Demokratie und gegenseitige Unterstützung.

Wir möchten einen Ort schaffen, an dem Menschen sich ausprobieren, wachsen und Gemeinschaft erleben können – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder persönlichen Voraussetzungen.

Fragen und Anregungen zu diesem Thema?

Bei Fragen und Anregungen kannst du dich gerne an unseren Vorstand wenden.